Geschichte

Kyudo (Kyu = Bogen, Do = Weg) ist eine der klassischen japanischen Kampfkünste, die sich aus den Waffentechniken der Samurai entwickelt hat. Mit der Einführung der Feuerwaffen im 16. Jahrhundert verlor der Bogen seine zentrale militärische Bedeutung als Kriegswaffe und wurde fast nur noch zur Jagd, für Sport und höfische Zeremonien verwendet. Die Ausbildung der Samurai umfasste jedoch weiterhin alle traditionellen Kampfkünste und so blieben die Einsichten, die über Jahrhunderte im Kyûjutsu auf dem Schlachtfeld gewonnen worden waren, erhalten. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse wurde das Bogenschießen als erste Kriegskunst zu einem Übungsweg der Samurai und es traten geistige Aspekte in den Vordergrund. In der Folge wurde dann gegen 1660 der Begriff Kyūdō geprägt, der heute allgemein verwendet wird.

Im Laufe der Zeit wurde Kyûjutsu bzw. Kyudo vor dem Hintergrund verschiedener weltanschaulicher Strömungen (Shintô, Zen, Neokonfuzianismus) interpretiert und von ihnen beeinflusst. Verschiedene Stilrichtungen haben sich so entwickelt, die sich in unterschiedlichen Schulen (Ryû) mit eigener Schießtechnik bis heute erhalten haben.

Geübt wird mit dem ca. 2,20 m langen japanischen Langbogen, der traditionell aus Holz und Bambus gefertigt ist und eine besondere Schießtechnik erfordert, die nur durch langes und intensives Üben zu erlernen ist. Weitere äußerliche Besonderheiten sind die traditionelle Kleidung und die zeremoniellen Bewegungsformen für Demonstrationen, Prüfungen und Meisterschaften.

Über acht genau festgelegte Bewegungsphasen müssen Körperhaltung und Körperspannung präzise koordiniert werden. Diese Bewegungsabläufe zu beherrschen und zu verfeinern ist ein wesentliches Ziel des Übens. Wettkämpfe und Prüfungen dienen der Überprüfung des erreichten Niveaus. Mit den eigenen Fortschritten auf dem Weg des Bogens, mit dem permanenten Verfeinern der Schießtechnik, wächst die Freude an der Kunst des Bogenschießens, die dann auch für den außenstehenden Betrachter in der ästhetischen Darstellung, Ausstrahlung und dem Trefferergebnis sichtbar wird. Das Kyudo -Training verlangt vom Übenden ein häufig ungewohntes Maß an Disziplin, Aufmerksamkeit, Konzentration und innere Ruhe, ohne die Kyudo auf Dauer nicht machbar ist. Der Übungserfolg und die sichtbaren Fortschritte sind individuell sehr unterschiedlich und weitgehend von der Übungskontinuität abhängig. Da es nicht nur auf Muskelkraft ankommt, sondern auch auf sensible Bewegungskoordination, ist Kyudo für Frauen und Männer jeden Alters geeignet.

Kyudo wurde in Deutschland 1969 bei einem Einführungsseminar in Hamburg vorgestellt und seit dieser Zeit vor allem unter der Leitung von Prof. Genshirō Inagaki weitervermittelt. Seitdem sind in vielen Städten Kyudo-Gruppen entstanden in denen derzeit über 1.000 Mitglieder organisiert sind, die dem Deutschen Kyudo Bund angeschlossen sind.